Basler Fasnacht nicht mehr Weltkulturerbe

Im März 2016 wurde die Basler Fasnacht vom Bundesamt für Kultur (BAK) bei der UNESCO als zweite Schweizer Kandidatur für die repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit eingereicht. Das zwölfte zwischenstaatliche Komitee für die Bewahrung des immateriellen Kulturerbes hat an seiner Sitzung auf der Insel Jeju (Südkorea) am 7. Dezember 2017 entschieden, die Basler Fasnacht in die repräsentative Liste aufzunehmen.

Die in enger Zusammenarbeit mit dem Fasnachts-Comité erarbeitete Kandidatur wurde von der UNESCO als exemplarisch gewürdigt, weil sie die Verwendung des Dialekts zur Vermittlung des immateriellen Kulturerbes besonders hervorhebt. Die vorgeschlagenen Bewahrungsmassnahmen werden von der UNESCO befürwortet. Sie betreffen namentlich die Förderung der Teilhabe der jüngeren Generationen durch musikalische Nachwuchsförderung (Trommeln und Pfeifen) oder durch pädagogisches Material für die Basler Schulen.

Die UNESCO setzt voraus, dass ein immaterielles Kulturerbe auch einen ununterbrochenen Fortbestand zu pflegen hat. Durch das nicht Stattfinden der Basler Fasnacht in den Jahren 2020 und 2021 ist dieser Vorsatz für das Komitee nicht mehr erfüllt. Das Bundesamt für Kultur (BAK) und das Fasnachts-Comité wurden nach der gestrigen ausserordentlichen Sitzung der UNESCO über diesen Entscheid informiert. Es besteht jedoch die Möglichkeit, nach Ablauf einer zweijährigen Frist, sich erneut für die repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit zu bewerben. Das Bundesamt für Kultur (BAK) prüft zur Zeit dieses Vorgehen.

Nachtrag 2.4.2021

Wie der eifrige Leser sicherlich bemerkt hat, handelt es sich dabei um einen 1. April Scherz… 😉

E «härzliggs Danggerscheen» an unseri Sponsore

Dank der großzügigen Unterstützung der Marti Elektro-Installationstechnik AG und der Garage W.R ENZ AG, konnten wir den Mitgliedern der Guggemuusig Räpplischpalter trotz abgesagter Fasnacht eine Freude bereiten.
Die Atelier in Basel und der Region hat es in dieser Zeit besonders hart getroffen.
Umso glücklicher sind wir, dass wir dank dieser Unterstützung einen Auftrag von über 80 personalisierten Räppli-Latärnli an unser Larvenatelier übergeben konnten.

Blaggedde 2021

Um den Fasnachtsgeist trotzdem aufrecht zu erhalten und vor allem um uns Vereine zu unterstützen, hat man «ainewäg» eine Blaggedde.

Aufgrund der aktuellen Situation ist es ab sofort möglich, die Blaggedde 2021 per Email zu bestellen. Bitte schreibe uns Deine gewünschte Menge sowie Namen und Telefonnummer auf blaggedde@raepplischpalter.ch.

Das Blaggedden OK wird sich dann mit Dir in Verbindung setzen und Dich über die Abholmöglichkeiten informieren. D’Guggemuusig Räpplischpalter dankt Dir für die Unterstützung.

Räppli-Käller – jetzt mieten

Möchtest Du einen tollen Event mit Deinem Team, Deiner Familie oder mit Freunden geniessen, dann miete den Räppli-Käller an der Drahtzugstrasse 28 in Basel. Das Gastgewerbegesetz erlaubt uns unter Einhaltung der BAG Richtlinien den Betrieb weiter aufrecht zu erhalten.

Organisiere Deinen Firmenevent oder Deine Familienfeier im Räppli-Käller. Unser motiviertes Team unterstützt Dich dabei und bedient Dich an Deinem Anlass, damit Du Dich voll und ganz auf Deine Gäste konzentrieren kannst.

Der Räppli-Käller zählt mit seiner zentrale Lage und seinem wunderschönen Ambiente zu einem der schönsten Eventlokale in der Stadt Basel.

Informiere Dich direkt auf unserer Webseite unter der Rubrik Räppli-Käller. Gerne nehmen wir über das Kontaktformular Deine Reservation entgegen.

Fasnacht 2021: Alles anders und alles offen

Das Fasnachts-Comité hat angesichts der verschärften epidemiologischen Lage die Situation evaluiert und einstimmig beschlossen, seine Bemühungen, fasnächtliche Aktivitäten zu ermöglichen, fortzusetzen. Es ist offensichtlich, dass sich die Lage bis zum 22. Februar verbessern muss, damit überhaupt eine Fasnacht 2021 denkbar wird.

Es werden keine Veranstaltungen stattfinden, die nicht mit der Covid-19 Verordnung vereinbar sind. Das sind namentlich:

•Cortège
•Musizieren in der Basler Innenstadt
•Motorisierte Wagen
•Chaisen
•Traditionelle Guggenkonzerte
•Kinderfasnacht

Das Fasnachts-Comité hält zudem am eingeschlagenen Weg fest, zusammen mit Vertretern der Behörden nach Lösungen zu suchen, andere fasnächtliche Aktivitäten zu ermöglichen, soweit die epidemiologische Lage diese Mitte Februar zulassen. Es laufen diverse Projektgruppen mit den Behörden und den beteiligten Fasnächtlerinnen und Fasnächtlern, die sich damit befassen, wie ein Morgenstraich und eine Quartierfasnacht aussehen könnten. Diesbezüglich stellt die Erarbeitung der Schutzkonzepte eine besondere Herausforderung dar. Auch wenn die Durchführung weiterhin ungewiss bleibt, will das Fasnachts-Comité im Februar bereit sein, falls doch Aktivitäten möglich sein werden.

Wir danken den Behörden für die konstruktive Zusammenarbeit und allen Fasnächtlerinnen und Fasnächtlern, die uns mit ihren Ideen, ihrer Haltung und ihrem Engagement dabei unterstützen. Einzelne Veranstaltungen sind in der Planung bereits relativ weit fortgeschritten und deren Durchführung hat eine leicht höhere Wahrscheinlichkeit. Namentlich das Drummeli im Kiechli mit Schutzkonzept und die Schnitzelbänke in Restaurants mit Schutzkonzept sind auf gutem Weg.

Ebenfalls herrscht in der Fasnachts-Szene einhellig die Meinung, dass für die jungen Garden und den Nachwuchs im Allgemeinen ein besonderer Effort geleistet werden muss. Die vom Fasnachts-Comité organisierte Plattform JETZT, die bereits im September mit einem Flashmob in der Innenstadt startete, wird bis und mit Fasnacht noch diverse Aktionen für und mit dem Nachwuchs planen und durchführen – selbstverständlich immer die aktuelle COVID-19 Verordnung einhaltend. Informationen dazu auf http://www.jetzt-fasnacht.ch/.

Die Tradition der Basler Fasnacht als Weltkulturerbe liegt dem Fasnachts-Comité sehr am Herzen und das motiviert uns, weiterhin zu planen und die Hoffnung nicht aufzugeben.

Das Fasnachts-Comité

Quelle: fasnacht.ch

Es schmeggt nach Desinfektionsmittel

Social-Distancing, Masken und Spuckschutz, Desinfektionsmittel und Händewaschen. Die Umsetzung der COVID-19 Massnahmen vom BAG fordern jeden Verein. Die Vorgaben sind klar, die Umsetzung aber nicht immer einfach. Der Vorstand der Räpplischpalter hat dies bravourös umgesetzt und so einen Rahmen geschaffen, wo es jedem Mitglied ermöglicht, die Regeln ohne grosse Einschränkungen einzuhalten.

Die Probesaison hat nach den Sommerferien begonnen. Soweit fast alles normal. Wenn man aber die Türe des Räppli-Kellers öffnet hat man das Gefühl, man betritt einen Operationssaal des Klinikum II im Unispital Basel. Statt des gewohnten Geruchs nach Mehlsuppe und Cordon Bleu steigt einem einen beissenden Geruch von Reinigungs- und Desinfektionsmittel in die Nase. Spätestens jetzt merkt man, dass eben doch nicht alles ganz normal ist. Am Boden sind mit Klebeband Markierungen angebracht, wo sich jedes Mitglied während der Probe darin Aufhalten muss um den Mindestabstand zu gewährleisten. Die einzelnen Register sind so platziert, dass man sich gegenseitig nicht die eventuellen Viren ins Gesicht bläst. Auch der Ablauf der Probe hat sich ein wenig verändert, was von einigen aber auch wieder als positiv bewertet wird. Zwanzig Minuten Proben, alle verlassen den Raum, Lüften für fünfzehn Minuten, Hände desinfizieren und alles wieder von vorne mit dreimaligem Durchlauf. Damit das Ganze auch mit der vorgeschriebenen maximalen Besetzung des Kellers funktioniert, wird jeweils in der Vorwoche nach Register, die Anzahl der Probeteilnehmer mittels Doodle organisiert.

Aussergewöhnliche Zeiten erfordern auch aussergewöhnliche Massnahmen und diese werden wie bereits Eingangs beschrieben vom Vorstand, der Musikkommission und auch von den einzelnen Mitgliedern vorbildlich umgesetzt. An dieser Stelle «e härzliggs Danggerscheen» an alle. Wir freuen uns jetzt schon darauf wenn wir hoffentlich bald sagen können «es schmeggt nach Fasnacht» und nicht nach Desinfektionsmittel.

Alljährliche Posaunen-Power

Einmal im Jahr steht nicht das musikalische, sondern die Kameradschaft und der Zusammenhalt im Mittelpunkt. Zum dritten Mal in Folge treffen sich die Mitglieder des Posaunen Registers der Guggemuusig Räpplischpalter inklusive Familie und Angehörige zu diesem gelungenen Anlass. Obwohl die Pflege der Kameradschaft und das gesellige Beisammensein im Mittelpunkt steht, kommt natürlich auch das Kulinarische nicht zu kurz.

Nebst den Angehörigen des Registers werden in jedem Jahr auch zwei Ehrengäste eingeladen. In diesem Jahr gebührt diese Ehre unserem Präsidenten und dem Musikchef die wie auf den Fotos ersichtlich, mit leicht glasigen Augen, sehr gerührt über die Einladung waren.

Fasnacht 2021 – Neu drei Cortège Tage

Gerüchten zur Folge plant das Fasnachts-Comité an der kommenden Fasnacht 2021 die Cortège Tage um einen zu verlängern. Grund dafür ist der Ausfall der Basler Fasnacht 2020. Diese Gerüchte erhärteten sich heute mit der offiziellen Anfrage des Fasnachts-Comité an den Vorstand der Räpplischpalter, ob es uns möglich sei, an der kommenden Fasnacht nicht nur am Montag und Mittwoch, sondern auch am Dienstag einen Cortège zu bestreiten. Diese Anfrage komme schon sehr frühzeitig, da dieser Entscheid eine erweiterte Planung der Strassenfachnacht mit sich ziehen würde – so Pia Interbitzin, Obfrau des Baslers Fasnachts-Comité.

Die Guggenkonzerte am Dienstag Abend auf dem Marktplatz und Seibi würden wie in den vergangenen Jahren gewohnt statt finden, jedoch müsste die Route des Sternmarsches aus zeitlichen Gründen um die Hälfte gekürzt werden. Besammlung und Start werde ab der Schifflände geplant. Was mit der Kinderfasnacht am Dienstag Nachmittag geschieht ist noch offen. Man könne sich vorstellen, diese eventuell auf den Sonntag Nachmittag als «Vorfasnachtsveranstaltung» vor zu verlegen, so Interbitzin.

Bei den Räpplischpalter renne man mit dieser Idee offene Türen ein – berichtet Sven Oertle, Präsident der Räpplischpalter – auf eine telefonische Anfrage. Einzige Auflage: «Wir bestehen darauf, den zusätzlichen Cortège am Dienstag im Stamm zu laufen». Man könne sich Seitens Vorstand auch vorstellen, das Fasnachts-Comité bei der Planung aktiv zu unterstützen und Ressourcen aus den eigenen Reihen zur Verfügung zu stellen.

Des weiteren wird auch geprüft, die Comité Standorte auf dem Cortége auf alle drei Tage zu verteilen, damit es auf der Route weniger Stau geben würde. Leider fehlt uns dazu noch die Meinung unseres Majors, da er am Morgen telefonisch nicht erreichbar war.

Die Entscheidung des Comités über diese Anpassung der Strassenfasnacht 2021 werde in den nächsten Tagen kommuniziert.

Nachtrag 2.4.2020

Wie der eifrige Leser sicherlich bemerkt hat, handelt es sich dabei um einen 1. April Scherz… 😉

Geschichte der Basler Guggenmusik – Teil I

Einleitung

Umzüge mit Lärmgeräten sind im Volksbrauch eine geradezu weltumgreifende Erscheinung. In unserem Kulturkreis kennen wir Lärmzüge vernehmlich bei Winter- und Frühlingsbräuchen sowie als Mittel der knabenschaftlichen Volksjustiz. Unter Begriffen wie «Tschättermusik», «Katzenmusik» und «Charivari» sind improvisierte Musikgruppen in unserem Lande seit langem bekannt. Die älteren Begriffe werden in unserem Jahrhundert grösstenteils abgelöst durch das Wort «Guggenmusik» bei gleichzeitiger Veränderung des Klangkörpers. Der neue Begriff und mit ihm grösstenteils auch die Sache scheint von Basel aus verbreitet zu haben.

In der Stadt Basel existiert vor dem Auftauchen des Wortes «Guggenmusik» offensichtlich kein einheitlicher Begriff für eine kakophonisch spielende Musikgruppe. Für zwei benachbarte Baselbieter Gemeinden ist die «Katzenmusik» belegt, wie wir später sehen werden. So wird 1904 aus Muttenz berichtet: «Von dem hässlichen Morgenstraich mit seinem katzenmusikartigen Lärmen war diesmal nichts zu merken». Eine nächtliche Katzenmusik veranstalteten 1888 etwa dreissig Allschwiler Altkatholiken, nachdem ihr Sieg bei den Gemeindewahlen festgestanden hatte: Sie zogen mit Pechfackeln, Trommeln, Pfannendeckel und Kuhglocken lärmend vor jedes römisch-katholische Haus. Es sei nicht verschwiegen, dass es in der Nacht nach dem Herrenfastnachtssonntag geschah: Die Instrumente hatte man ja ohnehin in Griffnähe!

Streicher und Bläser

Obwohl dies viele «echte» Basler Fasnächtler nur mit Mühe glauben wollen, gehören andere Instrumente als die Trommel und das auch erst im letzten Jahrhundert an der Fasnacht belegbare Piccolo seit langem zu Basler Fasnacht. Im Basler Kupferstichkabinett wird eine getuschte Federzeichnung von Niklaus von Riedt aus dem Jahre 1589 aufbewahrt, die einen Fasnachtsumzug mit einem Lautenspieler und einer Posaunistin wiedergibt. Wohl noch vor 1800 wurde eine im Historischen Museum Basel befindliche lavierte Tuschzeichnung angefertigt: Sie zeigt auf dem Münsterplatz einen Fasnachtsumzug, auf die Revolutionswirren von 1798 anspielend, und lässt hinter den Tambouren eine Musikantengruppe mit Instrumenten wie Fagott, Horn, Trompete, Violine und Pauke erkennen.

Von einem politischen Fasnachtsulk auf Kosten des Basler Staatsmannes Peter Ochs hören wir 1803: «Auf dem Petersplatz begrub man unter Waldhornfanfaren einen Ochsenkopf samt grün-rot-gelben Konkarden und deutete damit symbolisch das Ende des helvetischen Einheitsstaates an. Die Farben der Kokarde entsprachen der Trikolore der Helvetik.

Dem Reiseschriftsteller Gottlob Heinrich Heinse (1766-1812) verdanken wir in seiner ausführlichen Schilderung des Fasnachtsgeschehens im Jahre 1809 die Mitteilung, dass der Zug von einem «Chor Berghoboisten» eröffnet wurde und dass ferner berittene Trompeter dabei waren. Wenigstens von Alphörnern war die Rede bei einem folkloristischen «Älplerzug» am Fasnachtsmontag 1812. Die sich in nichts von damaligen historischen Festumzügen unterscheidenden Fasnachtszüge de 19. Jahrhunderts haben selbstverständlich immer auch Musiken dabei. Einer der frühesten Züge ist dargestellt auf einer kolorierten Radierung von 1820, der dem Thema «Brautzug des Grafen Otto von Thierstein und der Katharina von Klingen anno 1376» gewidmet war. Das Bild zeigt unter anderem berittene Fanfarenbläser und eine Musik mit Bläsern und Streichern auf einem Wagen.

Eher fasnächtlich im heutigen Sinn wirkt au einer Lithographie von 1845 (Bild unten) die kleine Musikgruppe mit Pauke, Becken, Horn und Schalmei, welche einer Tambourengruppe folgt. Richtige Blechmusiken sind unter anderem bezeugt an den Fasnachtszügen 1835, 1841 und 1853, die aber vermutlich seriös spielten. Wenn wir der bekannten Morgenstraich-Darstellung von Hieronymus Hess für das Jahr 1843 Glauben schenken dürfen, kamen damals Blechinstrumente, wohl Fanfaren, zum Ertönen. Aus einem «Karneval-Bericht» von 1852 erfahren wir Details über «Gruppen, die den Morgenstraich zusammentrommelten, pfiffen, trompeteten und Schrieen». Unter anderem ist die Rede von einer «Janitscharen-Musik, gekleidet in Schlafrock und Zipfelkappe» mit Trompeten und Pauken, und von «Schnurranten» mit «Piccolo und Bombardon, Kornet und Pauke»

Womit an der Basler Fasnacht Lärm erzeugt wurde, zeigt die ab 1869 in der Presse publizierte «Polizeiliche Bekanntmachung betreffend die Fasnacht», wo es unter Artikel 1 heisst: «Montags und Mittwochs darf vor 4 Uhr morgens nicht getrommelt und in keiner Weise gelärmt werden. Ebenso ist Lärm mit Hörnern, Klapperinstrumenten, Geschellen und dergleichen untersagt». Um 1870 lesen wir in den Fasnachtsberichten wiederholt vom nachmittäglichen Mitwirken einer «humoristischen Zukunftsmusik, die mit ihren Produktionen die Aufmerksamkeit auf sich zog». Wie Inserate von Bierwirtschaften der ganzen Regio zeigen, handelt es sich dabei um eine Musikgruppe, die auch ausserhalb der Fasnacht unter anderem mit «komischen Couplets» für sonntagsnachmittägliche, «komische-musikalische Unterhaltung» besorgt war.

Ob wir uns darunter tatsächlich einen Vorläufer heutiger Guggenmusiken vorstellen dürfen, kann ich nicht entscheiden. Solange nichts Näheres zur Instrumentierung und Stil bekannt wird, gilt dasselbe auch für die vor 1872 existierende «Kontingentenmusik», etwa auch «Waschweibermusik» genannt, eine «musikpflegende Fasnachts-Clique», deren Mitglieder zum Teil an der Gründung des Basler Musikvereins beteiligt waren.

Quelle: Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde

Geschichte der Basler Guggenmusik – Teil II

Musikvereine und «Improvisierte Musiken»

Während man weiterhin nichts gegen eine Beteiligung von Blasmusiken am Nachmittag einzuwenden hatte, wie beispielsweise 1874 gegen eine «40 Köpfe zählende Musik in pruntrutischen Weiberkleidern und kommandiert von einem Kapellmeister als Abbé», so wollte man solche Musiken am Morgenstraich anscheinend nicht mehr dulden: «Etwas Neues war auch das Auftreten einer Blasmusik. Mehrere gute, echte Basler haben uns aufgefordert, gegen die Verwendung von Blasinstrumenten am Morgenstraich zu protestieren, der Morgenstraich sei einzig und allein nur für’s Ruessen und nicht für’s Blasen». Dieser Protest dürfte kaum allgemeinen Beifall gefunden haben: 1884 erfahren wir nämlich, dass das Auftreten einer Blasmusik am Morgenstraich polizeilich gestattet wurde. In der Folge lesen wir in der Presse regelmässig von «Musikbanden» (durchaus nicht abwertend zu verstehen, sondern als Gegensatz zu den grossen Musikgesellschaften) und von «improvisierten Musiken» (auch bezüglich der Instrumentierung?), die am Morgenstraich teilnahmen.

In den Zeitungen jener Jahre ist überhaupt eine grosse Aufgeschlossenheit gegenüber den Blasmusiken festzustellen. Man freute sich über diesen Akzent, der doch vorwiegend von seriösen, aber kostümierten Kapellen wie Knabenmusik, Jägermusik, Musikverein Basel, Stadtmusik Konkordia, Musikverein Amicitia, Musikverein Horburg, Musikverein Vorwärts,
Musikverein Oberwil und Metallharmonie Binningen gesetzt wurde, die je nach ihrem Sujet als «Maurenmusik», «Basler Zukunfts-Damenkapelle», «Dragoner-Regimentsmusik», «Amazonenkapelle» oder «Sträflingskapelle» daherkamen. 1880 schrieb der Korrespondent vom Montagszug: «Doch was hören wir? Musik! – Ist es möglich, an der Basler Fastnacht noch ein anderes Instrument zu kultivieren als das edle Trommelfell? In recht verdankenswerther Weise hatte die Kommission der Knabenmusik ihre jüngeren Musiker versammelt, und dieselben zogen wohlgeordnet und gut diszipliniert, ihre gefälligen Märsche blasend und schlagend auf … ». Im Zusammenhang mit der bis zum heutigen Tag nicht verstummten Diskussion um die Organisation der Nachmittagszüge wird 1883 in einem «Eingesandt» der Vorschlag gemacht, die Tambourengruppen sollten zugunsten der Musiken zurücktreten. Im darauffolgenden Jahr wird eine «Musikbande», die Ständchen brachte und den Zapfenstreich kopierte, als «gelungene Abwechslung» taxiert, und 1885 hält der Zeitungsschreiber fest: «Eine neue Fastnachtsleistung scheint immer mehr aufzukommen und trägt zur Verschönerung bei, nämlich Musikproduktionen … ». Da kann es dann nicht mehr weiter verwundern, wenn 1887 im «Briefkasten» der Zeitung der Wunsch nach einer Prämierung «humoristischer Musiken» geäussert wurde.

Was damals unter «humoristisch» bereits zu verstehen war, vermögen wir aus heutiger Warte nicht mehr leicht zu deuten. Wohl immer noch ein guter Gag (aber beileibe nicht am Morgenstraich!) wäre die Kombination von fünf Trommeln und einem Waldhorn. Dieses kam 1898 immer dann mit der Melodie «Frühmorgens, wenn die Hähne krähn … » zum Einsatz, wenn die Gruppe eine Stelle in der innern Stadt passierte, wo ein Trommelverbot bestand.

Die ersten Guggenmusiken kommen

Für die Zeit um die Jahrhundertwende darf die Existenz von Guggenmusiken als sicher angenommen werden, wenn wir beispielsweise 1902 vernehmen, dass die «Wasserwerkler Musik» am Mittwochnachmittag «grosse Heiterkeit» erzeugte und im Jahr danach eine «Tiroler Damenkapelle» und weitere «kostümierte Musikabteilungen fleissig ihre lustigen Weisen ertönen liessen». Das Wort «Guggenmusik» begegnet uns das erste Mal 1906 im «Verzeichnis der Fastnachtszüge» neben zehn anderen Musiken: Eine «Guggenmusik» spielte als Sujet die Deutschlandreise der «verkrachten» Stadtmusik Concordia aus. Ob sich hinter der Gruppenbezeichnung «Krachauer» auf derselben Liste eine weitere Guggenmusik versteckt, konnten wir nicht herausfinden». Zum Mittwoch-Morgenstraich wurde übrigens in der Presse gemeldet: «An neuen Zügen traten, so viel wir bemerken konnten, eine originelle Katzenmusik auf und ein nicht minder origineller Mandolinenklubs.

1907 sah der Berichterstatter am Morgenstraich «einen Trupp Bremer Stadtmusikanten, die auf ihren Instrumenten ein Geräusch erzeugten, das ‹Stein erweichen, Menschen rasend machen kann› … ». Vom Montagnachmittag wird dann gemeldet: «Von den einzelnen Wagen, welche durch die Strassen zogen, riefen besondere Heiterkeit hervor die ‹Saharet› der Guggenmusik»; ihr Fasnachtszettel hat sich erhalten. Beim Umzug vom Mittwochnachmittag ist ausserdem von einer «Trost-Clique» die Rede, einem Musikkorps in Trauerkleidung, welche das Fernbleiben der Basler Musikvereine ausspielte, die wegen der offensichtlich nicht über grossen Subvention nicht mitzumachen gewillt waren. Die Clique spielte den Trauermarsch von Chopin «grotesks».

Am Morgenstraich 1908 «lässt eine Blechmusik ihre zum Himmel schreienden Weisen erschallen und kaum fünf Schritte weiter lässt es einem die richtige ‹Tschinnerättemusik› durch Mark und Bein fahren». Zwischen 1911 und 1914 nahm regelmässig die «Alt-Guggenmusik Horburg» an den vom Cormité (gegr. 1910) organisierten und subventionierten Umzügen teil. Diese Guggenmusik setzte sich möglicherweise aus Mitgliedern des Musikvereins Horburg (Industriequartier in Kleinbasel) zusammen. Für 1913 entnehmen wir dem offiziellen Führer des Fasnachts-Comités, dass auch eine weitere Guggenmusik mit dem Sujet «Waggismusik» gemeldet war. An die Beteiligung von Guggenmusiken am Morgenstraich von 1914, dem letzten für mehrere Jahre, kann sich ein alter Fasnächtler noch gut erinnern: «D Melody hesch miesse verroote».

Quelle: Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde